Folge 07: „Rom war alles für ihn“. Hans von Trotha über den vergessenen Archäologen und Kunstsammler Ludwig Pollak

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Folge 07: „Rom war alles für ihn“. Hans von Trotha über den vergessenen Archäologen und Kunstsammler Ludwig Pollak
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Der in Prag geborene Ludwig Pollak (1868 – 1943) war Archäologe und als Antiken-Kenner hochgeschätzt. Weil ihm als Jude die Lehre an Universitäten verwehrt wurde, begann er Expertisen für Museen und Sammler zu fertigen und mit Kunst zu handeln. Den Kindheitstraum, in Rom zu leben, erfüllte er sich zu einer Zeit, in der die Stadt erweitert und regelrecht umgepflügt wurde. Der Antikenhandel blühte. Das Museo Barracco machte Ludwig Pollak zu seinem Ehrendirektor, das Deutsche Archäologische Institut ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Künstler und Museumskuratoren aus ganz Europa suchten seine Gesellschaft, seinen Rat.

Am 16. Oktober 1943 führte die SS unter der Leitung von Theodor Dannecker, einem engen Mitarbeiter von Adolf Eichmann, eine Razzia in Rom durch. Der Plan war durchgestochen worden und es gelang, jüdische Nachbarn zu verstecken oder ihnen zur Flucht zu verhelfen. Mehr als 1000 Mitglieder der Gemeinde, darunter Ludwig Pollak, seine Ehefrau und seine zwei Kinder, wurden aus ihren Wohnungen abgeführt und zwei Tage später nach Auschwitz deportiert. Die Familie Pollak hätte im Vatikan Schutz finden können, doch der damals 75 Jahre alte Mann hatte das Angebot ausgeschlagen. Warum?

Der Schriftsteller Hans von Trotha sucht in seinem Roman, dem er die Form eines fiktiven Gesprächs gegeben hat, nach Gründen für die bedrückende, tragische Entscheidung. Er imaginiert, was der erschöpfte alte Mann demjenigen, der ihn und die Familie in Sicherheit bringen sollte, zu sagen hatte. Und lässt Pollak vom Anbruch des Abends bis in die frühen Morgenstunden des schicksalhaften 16. Oktobers erzählen. Freundschaften, glückliche Entdeckungen und bittere Demütigungen, Geschichten von Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen ergeben ein sehr komplexes, sprachlich wunderbar verdichtetes Charakterbild. 

Verbunden bleibt Pollaks Name auch mit einem für die Kunstgeschichte bedeutenden Fund: 1903 hatte der Sammler bei einem Spaziergang den seit 400 Jahren vermissten, frisch aus der Erde gezogenen rechten Arm des Laokoon bei einem Marmorbruchhändler gefunden. Kaum eine Skulptur der Antike ist besser erforscht als die Laokoon-Gruppe. Und „Pollaks Arm“ ermöglichte eine neue Deutung. 1906 vermachte er sie den Vatikanischen Museen.

 

Hans von Trotha: Pollaks Arm, 144 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach, SALTO, Berlin 2021

Die englische Übersetzung des Romans erscheint im Februar 2022 bei New Vessel Press, New York. Zwei Stimmen zu Pollak’s Arm:

„Hans von Trotha has composed a small jewel of a novel. Set as the Holocaust reaches Rome in October 1943, it quietly evokes an archaeologist’s reflections on a European life of scholarship and art. The result is physical death for him and his family. Yet this book offers vivid testimony of his words and actions in defense of humane culture against barbarism.”

—R.J.B. Bosworth, author of Mussolini and The Oxford Handbook of Fascism

 

“This intense and exciting book brings back to life the voice of Ludwig Pollak who, when confronted with Nazi-occupied Rome’s grim reality, powerfully conveys a taste for collecting, the pleasure of erudition, and an unshakeable faith in culture. This period of European history – remarkably captured here by Hans von Trotha – still has much to tell us.”

—Salvatore Settis, chairman of the Louvre Museum Scientific Council and author of Laocoön and If Venice Dies

 

Weitere Bücher von Hans von Trotha (Auswahl):

Die große Illusion. Ein Schloss, eine Fassade und ein Traum von Preußen, Berenberg, Berlin 2021

A Sentimental Journey. Laurence Sterne in Shandy Hall, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2018

Czernin oder wie ich lernte, den Ersten Weltkrieg zu verstehen. Roman, Nicolai Verlag, Berlin 2013

Der englische Garten. Eine Reise durch seine Geschichte. 144 Seiten. Verlag Klaus Wagenbach. SALTO. 2021

 

Coup de cœur

Delphine Horvilleur: Vivre avec nos morts, Éditions Grasset, Paris 2021

Die deutsche Übersetzung erscheint 2022 im C. Hanser Verlag

 

Épisode 07: „Rome était tout pour lui“. Un entretien avec Hans von Trotha sur Ludwig Pollak, archéologue et grand collectionneur d’art injustement oublié

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Épisode 07: „Rome était tout pour lui“. Un entretien avec Hans von Trotha sur Ludwig Pollak, archéologue et grand collectionneur d’art injustement oublié
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Ludwig Pollak (1868-1943), né à Prague, était archéologue et jouissait d’une belle réputation de grand spécialiste de l’Antiquité. Parce qu’il était juif, on ne lui avait pas accordé le droit d’enseigner à l’université. C’est ce qui l’amena à devenir expert auprès de musées et de collectionneurs et à opter pour le métier de marchand d’art. Il réalisa son rêve d’enfant et vint vivre à Rome dans une période où d’importants travaux et de nombreux remaniements de la ville étaient effectués. Le commerce des œuvres antiques qu’on découvrait alors florissait. Ludwig Pollak devint directeur honorifique du Museo Barracco et membre d’honneur de l’Institut archéologique allemand. Des artistes et des directeurs de musées de l’Europe entière venait lui demander conseil.

Le 16 octobre 1943, les SS procédèrent à une rafle à Rome. Ils agissaient sous le commandement de Theodor Dannecker, un proche collaborateur d’Adolf Eichmann. Il y avait eu des fuites et de nombreux juifs furent cachés chez leurs voisins ou réussirent à s’enfuir avant la rafle. Plus de mille membres de la communauté juive, dont Ludwig Pollak, sa femme et ses enfants, furent extirpés de leurs appartements et déportés à Auschwitz deux jours plus tard. La famille Pollak aurait pu trouver refuge auprès du Vatican mais Ludwig Pollak, alors âgé de 75 ans, avait refusé l’offre. Pourquoi?

Dans son roman, qui prend la forme d’un dialogue fictif, l’écrivain Hans von Trotha cherche les raisons qui ont motivé cette décision lourde de tragiques conséquences. Il imagine ce que Ludwig Pollak, ce vieil homme épuisé, aurait pu dire à celui qui voulait protéger sa famille. Et donne la parole à Pollak, qui raconte sa vie pendant toute la nuit qui précède le fatal matin du 16 octobre. Les amitiés, les découvertes, les humiliations, des histoires de tableaux, de dessins et de sculptures se mêlent pour donner l’image d’un personnage complexe, dans un texte particulièrement dense.

Le nom de Pollak est aussi profondément lié à une découverte importante pour l’histoire de l’art. En 1903 lors d’une promenade à Rome, Pollak avait trouvé chez un marbrier le bras droit de la statue de Laocoon qu’on venait juste de déterrer. Le « groupe de Laocoon » est une des statues antiques les plus étudiées. Le « bras de Pollak » permettait une nouvelle interprétation de l’œuvre d’art. En 1906, Pollak en fit don aux musées du Vatican.

 

Hans von Trotha: Pollaks Arm, 144 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach, SALTO, Berlin 2021

En février 2022 la traduction anglaise du roman paraîtra aux éditions New Vessel Press, New York. Deux commentaires:

„Hans von Trotha has composed a small jewel of a novel. Set as the Holocaust reaches Rome in October 1943, it quietly evokes an archaeologist’s reflections on a European life of scholarship and art. The result is physical death for him and his family. Yet this book offers vivid testimony of his words and actions in defense of humane culture against barbarism.”

—R.J.B. Bosworth, author of Mussolini and The Oxford Handbook of Fascism

“This intense and exciting book brings back to life the voice of Ludwig Pollak who, when confronted with Nazi-occupied Rome’s grim reality, powerfully conveys a taste for collecting, the pleasure of erudition, and an unshakeable faith in culture. This period of European history – remarkably captured here by Hans von Trotha – still has much to tell us.”

—Salvatore Settis, chairman of the Louvre Museum Scientific Council and author of Laocoön and If Venice Dies

 

Autres romans de Hans von Trotha:

Die große Illusion. Ein Schloss, eine Fassade und ein Traum von Preußen, Berenberg, Berlin 2021

A Sentimental Journey. Laurence Sterne in Shandy Hall, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2018

Czernin oder wie ich lernte, den Ersten Weltkrieg zu verstehen. Roman, Nicolai Verlag, Berlin 2013

Der englische Garten. Eine Reise durch seine Geschichte. 144 Seiten. Verlag Klaus Wagenbach. SALTO. 2021

 

Coup de cœur

Vivre avec nos morts – Petit traité de consolation de Delphine Horvilleur, 234 pages, Grasset 2021

Folge 06: „Es ist nicht einfach, in Frankreich jung zu sein“. Besuch der Autorin Marion Messina in Leipzig

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Folge 06: „Es ist nicht einfach, in Frankreich jung zu sein“. Besuch der Autorin Marion Messina in Leipzig
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Seit ein paar Monaten lebt Marion Messina mit ihrem Partner und zwei Kindern in Leipzig. Eine Französin aus Dresden hatte ihren Debütroman Fehlstart sehr gemocht und sich bei der Stiftung „Hommage à la France“ für eine Einladung der jungen Autorin eingesetzt. Marion Messina fühlt sich wohl in der überschaubaren Stadt. Sie macht ein Praktikum am Institut Français, lernt Deutsch, arbeitet an einem zweiten Roman und plant, in der Literaturwissenschaft zu promovieren.

Ihr Sprechtempo ist rasant. Sie hält mit nichts zurück. Antwortet humorvoll und empathisch, urteilt schneidend klar, wenn sie die Kluft zwischen den offiziellen Reden und der Lebenswirklichkeit der mittelständischen und unteren Klassen in Frankreich beschreibt. Sie ist in Grenoble aufgewachsen, in einer Arbeitergegend. „Netzwerken, bestimmte Orte aufsuchen, Leuten die Hand schütteln, sich nach vorn drängen, seine eigene Person immer gut verkaufen“ gehört für sie zum „Ethos des Bürgertums“ – „und die Kinder aus den unteren Volksschichten wissen nicht, wie das geht“.

Marion Messina weiß, von welchen Zwängen sie spricht, und deshalb hatte ihr Roman in Frankreich wie in Deutschland großen Erfolg. Fehlstart drückt, oft drastisch, die Gefühlslage von jungen Menschen aus, die in den frühen 1990er Jahren geboren wurden. Sie fühlen sich ausgeschlossen und an den Rand gedrängt. Sie finden nur miese Jobs und miserable Unterkünfte. Die Protagonistin des Romans verabschiedet sich von dem Wunsch, in Paris ein Bein auf die Erde zu bekommen. Die Lösung, sagt Marion Messina, sei nicht, sich völlig zu verausgaben, um von einem System akzeptiert zu werden, das von Anfang an keinen Platz für einen vorsehe. „Die Lösung lautet auszusteigen.“

Kein Zweifel: Die Autorin kennt keine Scheu, sich auf unbekanntes Terrain vorzuwagen. Keine Berührungsängste und keinen Dünkel zu haben, das ist ganz klar eine Lebensvorteil. „Wenn man mir morgen sagen würde, Du musst jetzt, um dein Essen bezahlen zu können, in den Karosseriebau, dann würde ich ohne groß nachzudenken, einen Abschluss in Karosseriebau machen. Ich habe immer gedacht, dass ich egal was für einen Job annähme, Hauptsache, mir bleibt noch Zeit zu schreiben. Das gibt mir Freiheit.“

 

Marion Messina: Fehlstart. Roman. Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Carl Hanser Verlag, München 2020. Demnächst auch als Taschenbuch.

Coup de cœur

Émilia Roig: Why We Matter. Das Ende der Unterdrückung. Aufbau Verlag, Berlin 2021

 

 

Épisode 06: „Ce n’est pas facile d’être jeune en France“. Entretien avec Marion Messina à Leipzig

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Épisode 06: „Ce n’est pas facile d’être jeune en France“. Entretien avec Marion Messina à Leipzig
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Marion Messina vit depuis quelques mois avec son compagnon et leurs deux enfants à Leipzig. Une Française de Dresde qui avait beaucoup aimé son premier roman „Faux départ“  a fait en sorte que la fondation „Hommage à la France“ de Brigitte Schubert-Oustry l’invite à venir dans la capitale de la Saxe. Marion Messina se sent bien dans cette ville de taille moyenne. Elle fait un stage à l’institut français de Leipzig, elle apprend l’allemand, a commencé à écrire un second roman et envisage de faire une thèse de littérature.

Elle parle très vite, est très franche et e a répondu à nos questions avec humour et empathie. Son jugement est très tranché, notamment quand elle décrit l’écart existant entre le discours officiel et la réalité du quotidien des classes moyennes et populaires en France. Elle a grandi à Grenoble, dans un quartier ouvrier. „Le fait de réseauter, d’aller dans des endroits, de serrer des mains de se mettre en avant, de toujours dire ce qu’on sait faire, de toujours être un commercial de sa propre personne, je pense que c’est quelque chose qui est dans l’ethos de la bourgeoisie mais que les enfants des classes populaires ne savent absolument pas faire.“

Marion Messina sait de quoi elle parle et c’est sans doute pourquoi son premier roman „Faux départ“ a eu un tel succès en France et également en Allemagne. Dans „Faux départ“, elle décrit, de manière souvent crue, la situation dans laquelle se trouvent de nombreux jeunes nés comme elle au début des années 1990. Des jeunes qui se sentent exclus, contraints à accepter des jobs inintéressants et à vivre dans des appartements minables. Le personnage principal du roman abandonne l’idée de vivre à Paris. La solution, dit Marion Messina, n’est pas de s’épuiser à ce qu’un système, qui dès le départ ne nous réserve pas de place, nous accepte. „La solution, c’est le sortisme.“

Marion Messina n’hésite pas à se lancer dans des domaines inconnus, rien ne lui fait peur et son humilité y est sans aucun doute pour beaucoup. „Il n’y a rien qui me semble plus vital que de lire et d’écrire. J’ai toujours pensé que pour manger je pouvais accepter n’importe quel boulot tant qu’il me laissait la liberté d’écrire et ça m’a donné aussi une certaine ouverture d’esprit parce que je pense que si demain on me dit: Ah ben pour manger il faut faire de la carrosserie, j’irai passer un CAP carrosserie sans aucune limite mentale, tant que j’écris.“

 

Marion Messina: Faux départ. Roman. Éditions Le dillettante, 2018

Folge 05: Stern 111 – Im Kieferngewölbe – Zu Besuch bei Lutz Seiler

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Folge 05: Stern 111 - Im Kieferngewölbe - Zu Besuch bei Lutz Seiler
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Stern 111 – Im Kieferngewölbe – Zu Besuch bei Lutz Seiler

Der Lyriker und Romancier Lutz Seiler pendelt zwischen Stockholm und Wilhelmshorst bei Potsdam. Wir haben ihn in der Mittelmark besucht, im Haus des Dichters Peter Huchel. Huchels Witwe hat das kiefernumstandene Landhaus einem Verein vererbt, der mit Ausstellungen an das Schaffen und Leben ihres jahrzehntelang von der Stasi beobachteten Mannes erinnert und Autor*innen zu Lesungen einlädt.

Im Zentrum unseres Gesprächs mit Lutz Seiler steht sein Roman Stern 111, aus dem er zwei Passagen liest. Das Buch wurde 2020 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Im Januar 2022 erscheint die französische Übersetzung im Verlag Verdier.

Bald 30 Jahre, so Lutz Seiler, mussten vergehen, um sich mit frischem Blick an die Zeit des Umbruchs von 1989 zu erinnern. Wie viele andere auch war er müde von den Beschreibungen der „Wende“-Geschichte und dem indirekten „Euphorie-Befehl“. Lutz Seiler ist in das Zimmer zurückgekehrt, das er im Spätherbst ‚89 in einem besetzten Haus im Prenzlauer Berg bewohnte; er hat die spielerische Energie wachgerufen, die junge Menschen damals in Ost-Berlin befeuertek, ihr Ding zu machen – z.B. ein Arbeiter-Kellercafé zu eröffnen. Zur Stammkundschaft der „Assel“ zählten auch die plötzlich in der Oranienburger Straße anschaffenden Prostituierten.

Seilers Romanheld Carl Bischof, Mitte 20, gelernter Maurer, hat ein Studium abgebrochen und träumt von einer poetischen Existenz. Seine Eltern sind kurz nach dem Fall der Mauer, ausgerüstet mit Wanderrucksäcken und einem Akkordeon, aus Thüringen nach Westdeutschland migriert. Und von dort setzten sie zu einem noch viel größeren Sprung an. Als Carl seine Eltern in Kalifornien besucht, begreift er, dass sie „andere Menschen jenseits von Elternschaft sind“ und dass er lernen muss, „ein eigener Mensch in dieser Welt zu sein“. 

Und Stern 111 – was ist das? Ein Kofferradio aus dem Stern-Werk Berlin. Die erste große Anschaffung der Familie Seiler. Das Radio ist das „synthetisierende Motiv“, unter dem die kleine, auseinanderstrebende Familie wieder zusammenfindet.

Nach dem Roman Stern 111 hat Lutz Seiler Gedichte geschrieben, die im August bei Suhrkamp als Buch erscheinen werden. Für uns hat er aus dem noch unveröffentlichten Band schrift für blinde riesen das Gedicht Hubertusweg gelesen und über die „konzentrierte Abwesenheit“ gesprochen, die es braucht, um „an der Realität vorbei auf ein starkes Bild zuzugreifen“.

 

Lutz Seiler: Stern 111. Roman. 528 S., Suhrkamp Verlag, Berlin 2020

Lutz Seiler: Kruso. Roman. 480 S., Suhrkamp Verlag, Berlin 2015

Lutz Seiler: schrift für blinde riesen. Gedichte. 120 S., Suhrkamp Verlag, Berlin (EÖ: 16.08.2021)

Coup de cœur:

Violette Leduc: Thérèse und Isabelle. Übersetzt von Sina de Malafosse. Roman. 169 S., Aufbau Verlag, Berlin, Mai 2021

 

 

Épisode 05: Stern 111 – Sous la voûte des conifères – En visite chez Lutz Seiler

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Épisode 05: Stern 111 - Sous la voûte des conifères - En visite chez Lutz Seiler
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Stern 111 – Sous la voûte des conifères – En visite chez Lutz Seiler

Le poète et romancier Lutz Seiler vit entre Stockholm et Wilhelmshorst près de Potsdam dans la Marche de Brandebourg. C’est là que nous lui avons rendu visite, dans la maison-musée du poète Peter Huchel au milieu d’une forêt de pins. Peter Huchel et sa femme avaient été espionnés et assignés à résidence par la Stasi pendant des années. La veuve de Huchel a ensuite fait don de la maison à une association qui a transformé les lieux en un musée consacré au poète et qui y organise régulièrement des lectures publiques.

Lutz Seiler nous a parlé de son roman Stern 111, il nous en a lu deux passages dans la version allemande et nous avons lu la traduction de ces passages dans la version française du podcast.

Son livre a reçu le Prix de la foire du livre de Leipzig en 2020. La belle traduction de Philippe Giraudon paraîtra en janvier 2022 aux Éditions Verdier.

Il a fallu que près de trente années passent pour que Lutz Seiler puisse jeter un regard nouveau sur les souvenirs qu’il gardait de la période des grands bouleversements de 1989. Comme beaucoup d’autres, il était lassé des nombreux récits concernant la période de la chute du Mur de Berlin et de l’ordre implicite „d’être euphorique“.

Lutz Seiler est retourné dans la chambre qu’il occupait alors dans un immeuble squatté du quartier de Prenzlauer Berg. Il s’est souvenu de l’énergie ludique qui animait alors la jeunesse à faire comme bon leur semblait – par exemple, à ouvrir un bar pour les ouvriers, dans lequel nombre de prostituées venaient également, après qu’elles avaient subitement fait leur apparition dans la Oranienburger Strasse.

Carl Bischoff, le héros du roman, est âgé de 26 ans, il est maçon de formation, a arrêté ses études littéraires et rêve d’une „existence poétique“. Juste après la chute du Mur, ses parents ont quitté Gera, dans la région de Thuringe, où ils vivaient pour se rendre en Allemagne de l’Ouest, en n’emportant que leurs sacs à dos et un accordéon. De là, ils entreprendront un voyage plus grand encore qui les mènera en Californie. Lorsque Carl leur rend visite, il comprend que ses parents sont “des individus à part entière, au-delà du fait qu’ils soient ses parents“ et qu’il doit apprendre à devenir un être autonome.

Stern 111 – littéralement Étoile 111 – que se cache-t-il derrière ce nom mystérieux? C’est le nom d’un modèle de transistor fabriqué dans les années 60 par les usines „Stern“ à Berlin. C’était le premier gros achat de la famille Seiler. C’est également un objet autour duquel se rassemble cette petite famille éclatée.

Après son roman Stern 111, Lutz Seiler a écrit un recueil de poèmes qui paraîtra au mois d’août chez Suhrkamp et qui s’intitule Écrits pour géants aveugles.

Il nous a lu le poème Le chemin d’Hubert et nous a parlé de “l’absence concentrée“  nécessaire pour „saisir une image forte presqu’en ignorant la réalité“.

 

Merci à Karim Chérif qui a lu la traduction de l’entretien avec Lutz Seiler.

Lutz Seiler: Stern 111  – traduction de l’allemand par Philippe Giraudon – paraîtra en janvier 2022 aux Éditions Verdier.

Lutz Seiler: Kruso – traduit de l’allemand par Uta Müller et Bernard Banoun, 480 pages, Verdier 2018

 

Coup de cœur:

Violette Leduc: Thèrèse et Isabelle, 144 pages, Gallimard 2000 pour la dernière édition.

Folge 04: Von der Großen Hamburger zum Berliner Ensemble

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Folge 04: Von der Großen Hamburger zum Berliner Ensemble
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Von der Großen Hamburger zum Berliner Ensemble

Wege mit Irina Liebmann und Pedro Kadivar

Die Schriftstellerin Irina Liebmann hat ein waches Auge für die Spuren, die die Zeitläufte im Leben von Menschen wie auch in Gebäuden, Straßen und Plätzen hinterlassen haben. Anfang der 1980er Jahre begann sie, die Geschichte der Großen Hamburger Straße zu rekonstruieren – im Gespräch mit Anwohnern, von denen einige zu Freunden wurden, in Archiven und mithilfe von Straßenplänen und Adressbüchern. Aus alten Tagebüchern und Notizen zu zitieren erschien ihr sinnlos. Historische Fakten, erzählte Geschichte und autobiographisches Material fließen zusammen. Entstanden ist ein romanhafter Text, der empathisch, manchmal ironisch und oft auf eine angenehm lakonische Art Vergangenes wachruft.

Die Große Hamburger Straße war im 18. Jahrhundert eine Stadtrandgegend, in der Juden, Protestanten und Katholiken ihre Toten beerdigten. Irina Liebmann erzählt auch von den Wirren im Mai 1945. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fanden auf dem von den Nationalsozialisten zerstörten Jüdischen Friedhof Massenbegräbnisse statt. Heute ist der Friedhof ein kleiner Park und Gedenkort. Irina Liebmann hatte an vielen Türen benachbarter Häuser geklingelt und Anwohner um Zeugnis gebeten. Doch meist wurden die Türen zugeknallt. Die Menschen, die dabei waren, sagt die Autorin, hätten Angst gehabt, beschuldigt zu werden. Und es sei einfach so, dass man mit einer Zeitverschiebung nicht mehr gerecht sein könne. „In einer anderen Zeit sieht alles anders aus.“

Pedro Kadivar haben wir am Bertolt-Brecht-Platz vor dem Berliner Ensemble getroffen. Dort ist er 1992 dem Dramatiker Heiner Müller begegnet, im Kopf den Wunsch, Müllers Prosatext Todesanzeige in Paris zu inszenieren. Pedro Kadivar war sechzehn, als er aus Iran nach Frankreich immigrierte. Er promovierte über Marcel Proust, er schreibt Theaterstücke, er unterrichtet und führt Regie an französischen und deutschen Bühnen.

Berlin ist inzwischen sein ständiger Wohnort. An der Stadt gefällt ihm, dass sie all jene aufnimmt, die das Leben lieben, aber nicht unbedingt wissen, was genau sie mit ihrem eigenen Leben anfangen sollen oder können. In seiner Erzählung Das kleine Buch der Migrationen schreibt er, Berlin mache Mut, sich ins Gesicht zu schauen, während einem der Boden unter den Füßen wegrutsche.

Als der Theatermacher 1983 in Frankreich ankam, hörte er schnell auf, Farsi zu sprechen. Er machte einen harten Schnitt. In dem vertrauten wie fremden Ort Berlin und beim Erlernen der neuen Sprache Deutsch begriff er, dass Französisch und Farsi durchaus in ihm koexistieren können. „Literatur“, sagte Pedro Kadivar, „ist eine Fortbewegung in der Sprache selbst“. Literatur und Migration gehören zusammen.

Irina Liebmann: Die Große Hamburger Straße. Roman. Schöffling & Co. Frankfurt a/M. 2020

Das Lied vom Hackeschen Markt. Drei politische Poeme. Hanani Verlag, Berlin 2012

Stille Mitte von Berlin. Essay und Fotografien. Nicolai, Berlin 2002

In Berlin. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1994

Berliner Mietshaus. Dokumentarische Erzählungen. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale/Leipzig 1982.

Pedro Kadivar: Kleines Buch der Migrationen. Aus dem Französischen von Gernot Krämer. Sujet-Verlag, Bremen 2017

Coup de cœur:

Nils Trede: Richtung Süden. Roman. Secession Verlag für Literatur, Berlin 2021

Épisode 04: En allant de la Große Hamburger Straße au Berliner Ensemble

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Épisode 04: En allant de la Große Hamburger Straße au Berliner Ensemble
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En allant de la Große Hamburger Straße au Berliner Ensemble

Promenades avec Irina Liebmann et Pedro Kadivar

 

L’écrivaine Irina Liebmann est attentive aux traces que le passé laisse sur les bâtiments, sur les places et dans les rues – mais aussi dans la vie des gens. Dès le début des années 80, elle commence à écrire l’histoire de la Große Hamburger Straße – après avoir mené des entretiens avec les habitants de la rue parmi lesquels certains allaient devenir ses amis, en fouillant dans les archives, en étudiant les plans d’aménagement et les anciennes cartes de la ville. Des faits historiques, des récits authentiques et des passages autobiographiques se retrouvent dans son livre Die Große Hamburger Straße, un texte empathique, parfois ironique qui restitue le passé de façon laconique.

Die Große Hamburger Straße se trouvait au 18ème siècle en bordure de la ville, c’était un endroit où les catholiques, les protestants et les juifs enterraient leurs morts. Irina Liebmann nous a aussi parlé de mai 1945 pendant cette promenade. À la fin de la deuxième guerre mondiale, l’ancien cimetière juif qui avait été détruit par les nazis accueillit une fosse commune. Aujourd’hui s’y trouve un jardin public et un lieu de mémoire. Irina Liebmann a sonné à maintes portes du quartier pour se renseigner sur ce qui s’était passé. On lui a souvent claqué la porte au nez. Les gens qui avaient assisté à ce qui s’était passé avaient peur d’être accusés. Quand le temps passe, il est difficile de formuler un jugement juste. «Avec le recul, tout est différent.»

 

Nous avons rencontré Pedro Kadivar devant le Berliner Ensemble, le lieu où il a rencontré Heiner Müller en 1992, avec en tête l’idée de mettre en scène son texte Todesanzeige (Annonce de décès).

Pedro Kadivar avait seize ans lorsqu’il a quitté l’Iran pour émigrer en France. Il a fait une thèse sur «L’entre-deux chez Proust », il écrit des pièces de théâtre et les met en scène en France et en Allemagne. Berlin est devenu son lieu de résidence permanent. Ce qui lui plaît à Berlin, c’est que la ville accueille «tous ceux qui aiment la vie mais qui ne savent pas exactement quoi faire de la leur». Dans son récit Petit livre des migrations, il écrit que Berlin nous encourage à nous regarder en face lorsque nous sommes en pleine perdition.

Lorsque Pedro Kadivar est arrivé en France en 1983, il a rapidement cessé de parler persan. Il voulait une coupure nette. C’est à Berlin, un lieu à la fois familier et étrange qu’il s’est aperçu que le français et le persan pouvaient tout à fait cohabiter en lui. La littérature, dit-il, est un mouvement au sein de la langue même. Littérature et migration vont de pair.

 

Irina Liebmann: Berlin-Moscou-Berlin: La vie de Rudolf Herrnstadt. Traduit de l’allemand par Marie-Claude Auger. Bourgois, Paris 2009

Irina Liebmann: Les femmes libres. Traduit de l’allemand par Marie-Claude Auger. Bourgois, Paris 2007

Pedro Kadivar: Petit livre des migrations. Récit. Gallimard, Paris 2015

 

 

 

 

Folge 03: Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe

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Folge 03: Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe
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„In Berlin muss man sein Leben neu erfinden“

Als Julien Santoni dies begreift, söhnt er sich aus mit der Hässlichkeit und der Vulgarität der Stadt. Man kann es schließlich mögen, dass Berlin, wie der Philosoph Michel Fœssel bemerkt, „nach nichts aussehen“ will. Die Stadt, „in der man nicht flaniert“, ist durch keine Mauer mehr geteilt, dennoch nehmen die jüngeren zugereisten Schriftsteller*innen und Journalist*innen ebenso wie die Zeitzeugen Edgar Morin und Claude Lanzmann – sie erinnern Berlin noch in Trümmern – die Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West deutlich wahr. Es zieht sie hin zur östlichen Mitte.

So oder so, wer Frankreich für Berlin verlässt, sucht bis heute etwas anderes als Schönheit und erwartet wenig Anstand. Für die in Valence aufgewachsene, von einer Karriere als Rocksängerin träumende, jugendliche Kits Hilaire war der Aufbruch nach Kreuzberg eine existenzielle Lebensentscheidung. Wer nicht in der „ranzigen“ französischen Provinz verkümmern und sterben wollte, suchte diffuses Licht in „schwarzen Innenhöfen“ mit zugemauerten Fenstern. Berlin war Punk. Seit den 1990er Jahren verbürgerlicht die Stadt kontinuierlich. Das Unfertige, Disparate, das Aus-der-Zeit-Gefallensein mancher Stadträume  schwindet.

„Starkes Empfinden der Verluste, der Irrungen, der Verschwendungen“, notiert Christian Prigent. Er ist einer von 22 Autor*innen, die abseits der ausgetretenen Pfade dem nachspüren, was einen in Berlin nicht zur Ruhe kommen und was uns „den Geruch von Menschheit schnuppern lässt“.

Margarete Zimmermann erzählt uns, wie französische Autor*innen sich im neuen (und „alten“) Berlin bewegen und die Stadt als Laborraum für neue Lebensformen genutzt haben. Wir lesen kurze Auszüge aus Texten von Julien Santoni, Michèle Métail und Kits Hilaire.

Dorothee Risse & Margarete Zimmermann (Hg.): « Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe. Das Neue Berlin aus französischer Sicht », 206 Seiten. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2020

Margarete Zimmermann (Hg.): “Ach, wie gût schmeckt mir Berlin. Französische Passanten im Berlin der zwanziger und frühen dreißiger Jahre ». 292 Seiten. Das Arsenal Verlag für Kultur und Politik, Berlin 2010

Coup de cœur : Elisa Diallo  « Französisch verlernen ». Aus dem Französischen von Isabel Kupski. 160 Seiten. Berenberg Verlag, Berlin 2021

Bibliographie Berlin-Anthologie

  • Hélène Bezençon, Berlin, mémoire pendant les travaux. Éditions de l’Éclat: Paris 2008.
  • François Bon, „Berlin, l’île sans mur“, in: net, url:http://www.desordre.net/photographie/berlin/ile_sans_mur.htm.
  • Philippe Braz, Berlin-loin-de-la-mer. Bruit des autres: Limoges 2007.
  • Jean-Yves Cendrey, Honecker 21, Actes Sud: Arles 2009.
  • Jean-Yves Cendrey, Schproum: Roman avorté et récit de mon Mal, Actes Sud: Arles 2013.
  • Oscar Coop-Phane, Demain Berlin. Finitude Éditions: Bordeaux 2013. Übers. von Christian Kolb: Bonjour Berlin, Metrolit: Berlin 2014.
  • Éric Faye, MesTrains de nuit. Stock: Paris 2005.
  • Michaël Fœssel, „Berlin : Voyage aux marges du capitalisme contemporain.“, in: Esprit, vol. 11 (2011), S. 114-126.
  • Kits Hilaire, Berlin, dernière; Flammarion: Paris 1990; ré-édition: Après la Lune: Paris 2019; Berlin – letzte Vorstellung. Abschied von Kreuzberg. Übers. von Barbara Traber. Erpf: Bern 1991.
  • Claude Lanzmann, Le lièvre de Patagonie, Gallimard: Paris 2009; Der patagonische Hase. Übers. von Barbara Heber-Schärer, Erich Wolfgang Skwara und Claudia Steinitz, Rowohlt: Reinbek 2010.
  • Abel Lefranc & Anaëlle Vanel, „Il ne se passera plus rien ici…“, in: Métamorphoses. Les Cahiers de l’École de Blois, numéro 16, 2018, s.p.
  • Michèle Métail, Erfahrungsräume – Configurations de l’expérience, hg. von Kerstin Hausbel/Franck Hofmann/Nicolas Hubé/Jens E. Sennewald, W. Fink: München 2006.
  • Patrick Modiano, L’Horizon, Gallimard: Paris 2010 ; Der Horizont. Übers. von Elisabeth Edl, Carl Hanser: München 2013.
  • Edgar Morin, Mes Berlin 1945-2013, Cherche-Midi: Paris 2013.
  • Serge Mouraret, Carnets d’amour et de haine, L’Harmattan: Paris 2002.
  • Marie NDiaye / Claudia Kalscheuer (Übersetzung): Y penser sans cesse. Unablässig daran denken. Éditions de l’Arbre Vengeur: Talence 2011.
  • Marie NDiaye, Ladivine, Paris: Gallimard; Übers. von Claudia Kalscheuer, Ladivine, Suhrkamp: Frankfurt a.M. 2015.
  • Christian Prigent, Deux temps trois mouvements. Zulma: Cadeilhan 1999; Neuausgabe: Berlin sera peut-être un jour, La ville brûle : Montreuil 2015.
  • Serge Clément (photos) / Régine Robin (texte): Sutures (Berlin 2000-2003). Éditions des 400 coups: Montréal 2003.
  • Julien Santoni, Berlin trafic, Grasset: Paris 2007.
  • Emmanuel Terray, Ombres berlinoises. Voyage dans une autre Allemagne. Odile Jacob: Paris 1996.
  • Jean-Philippe Toussaint, La Télévision, Minuit: Paris 1997; Fernsehen. Übers. von Bernd Schwibs. Frankfurter Verlags-Anstalt: Frankfurt (Main) 2008.
  • Cécile Wajsbrot, Fugue. Avec des photos de Brigitte Bauer, L’Estuaire, Paris2005
  • Cécile Wajsbrot, Berliner Ensemble, La ville brûle : Montreuil 2015

Épisode 03: “Berlin bouge plus vite que j’écris”

Littéramours
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Épisode 03: "Berlin bouge plus vite que j'écris"
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„À Berlin, il faut réinventer sa vie“

Lorsque Julien Santoni comprend le sens de cette phrase, il se réconcilie avec la laideur et la vulgarité de la ville. Finalement, on peut aussi aimer le fait que Berlin ne veuille „ressembler à rien“ – comme le remarque le philosophe Michel Fœssel. La ville dans laquelle on ne flâne pas n’est certes plus séparée par un mur et pourtant ces auteurs et autrices, ces journalistes et ces témoins tels Edgar Morin et Claude Lanzmann – qui connaissent Berlin en ruines – perçoivent bien les différences de mentalités entre l’Est et l’Ouest. Le quartier de Mitte, anciennement à l’Est, est un de leurs lieux de prédilection.

Quitter la France pour venir à Berlin, c’est chercher autre chose que la beauté et en attendre peu d’aménité. Pour Kits Hilaire, qui a grandi à Valence et qui rêvait d’une carrière de chanteuse de rock, venir à Kreuzberg en 1984 a été une décision existentielle. Ne voulant pas croupir en Province, elle y chercha la lumière diffuse des „arrières-cours noires“ aux fenêtres murées. Berlin était alors punk. Depuis les années 1990, la ville ne cesse de s’embourgeoiser. L’inachevé, le disparate, le côté anachronique de Berlin s’estompent. „Vives sensations des pertes, des errances, des gâchis“ note Christian Prigent. Il est un des 22 auteurs et autrices qui vont à la recherche de ce qui, en dehors des sentiers battus, fait que Berlin ne cesse de nous interpeller et de nous faire „renifler l’odeur d’humanité.“

Dans cet épisode, Margarete Zimmermann nous parle de la façon dont les auteurs et autrices français évoluent dans le „nouveau“ (mais aussi dans l’“ancien“) Berlin et dont ils ont fait de la ville le laboratoire de nouveaux styles de vie.

Nous lisons de courts extraits de textes de Christian Prigent, Edgar Morin et Cécile Wajsbrot et Michèle Métail dit un de ses poèmes.

Dorothee Risse & Margarete Zimmermann (Hg.): “Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe. Das Neue Berlin aus französischer Sicht”, 206 Seiten. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2020

Margarete Zimmermann (Hg.): “Ach, wie gût schmeckt mir Berlin. Französische Passanten im Berlin der zwanziger und frühen dreißiger Jahre”. 292 Seiten. Das Arsenal Verlag für Kultur und Politik, Berlin 2010

Margarete Zimmermann (Hg.): “Après le Mur: Berlin dans la littérature francophone” (édition lendemain). 268 Seiten. Narr Francke Attempto Verlag, Tübingen 2014.

Coup de cœur : Elisa Diallo : “Fille de France”, Flammarion, Paris 2019