Dory Manor schreibt Gedichte, Prosa und Essays. In seiner ersten Sprache Hebräisch hat er ein Dutzend Bücher veröffentlicht und wichtige Literaturpreise erhalten. Zahlreiche Artikel erschienen auf Englisch in Zeitschriften wie der Columbia Review, der World Literature Today und Granta. Lang ist die Liste der Werke, die Manor aus dem Französischen ins Hebräische übertragen hat; Baudelaires Les Fleurs du Mal und Le Spleen de Paris zählen dazu, Mallarmés Le tonnerre muet, Valérys Le cimetière marin, Flauberts Briefe an Louise Colet und Descartes Meditationen über die erste Philosophie (Meditationes de Prima Philosophia). Für seine Leistungen als Übersetzer wurde Dory Manor 2019 der französische Orden für Künste und Literatur verliehen.
Von 1995 – 2006 hat Manor in Paris gelebt. Er hat an einer der ältesten Sprachhochschulen Frankreichs, dem Institut National des Langues et Civilisations Orientales, im Fach Komparatistik promoviert, und dort, wie auch an der Sciences Po, Hebräisch und hebräische Literatur unterrichtet. Zurück in Israel gründete Dory Manor die Lyrikzeitschrift „Ho!“ und lehrte Poetik an der Tel Aviv-Universität und an der Ben Gurion-Universität.
Berlin, die Geburtsstadt seines Vaters, hat er 2019 zu seinem permanenten Domizil gemacht. Die dauerhaft angespannte Lage im Nahen Osten – Kriege, das Erstarken religiöser Kräfte, gespaltene Gesellschaften und das Gemeinwohl missachtende Regierungspolitiker – zwingt immer mehr Menschen, sich eine Existenz außerhalb ihrer Geburtsländer aufzubauen. Absolut verständlich ist es, dass Schriftsteller im Exil ihr eng mit der Muttersprache verbundenes kreatives Ausdrucksvermögen nicht auch noch verlieren möchten. Mit dem Schriftsteller Moshe Sakal gründete Dory Manor 2024 Altneuland Press. Er ist der erste Verlag für hebräische Literatur, der nach der Staatsgründung Israels 1948 außerhalb des Landes etabliert wurde. Die Verleger wollen Literatur Hebräisch schreibender Autor*innen weltweit publizieren und die Bücher ihres Programms auch auf Deutsch und Englisch herausbringen.
Im März 2026 hat Dory Manor im Pariser Grasset Verlag seinen ersten auf Französisch geschriebenen Roman veröffentlicht, Le Gorille. Der autofiktionale Roman ist dem Gedenken seines am 29. November 1930 in Berlin geborenen und an seinem 89. Geburtstag in Tel Aviv gestorbenen Vaters gewidmet. Reinhard „Ezer“ Manor – als kleiner Junge „Häschen gerufen – war Leibwächter von Moshe Dayan, Golda Meir und anderer Regierungspolitiker: ein „Gorilla“.
Unser Gespräch kreist um die Themen: toxische Männlichkeit und die Komplizenschaft von Frauen, Homosexualität und die Suche nach einer eigenen Sprache.
Dory Manor: Le Gorille, Grasset, Paris März 2026
Sehr lesenswert ist die fundierte, ausführliche Kritik des Romans „Le Gorille“ von Kai Nonnenmacher, Professor für romanische Literaturen an der Universität Bamberg und Gründer des deutsch-französischen Blogs rentrée.de
In seinem Blog rezensiert er – mit aussagestarken Zitaten angereichert – französische Gegenwartsliteratur.