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Folge 17: Vater unbekannt, Mutter ein Geheimnis – Gespräch mit Marie-Hélène Lafon über "Geschichte des Sohnes"
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Die Frühlingsmonate 2020 verbrachte Marie-Hélène Lafon zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder im Département Cantal in der Auvergne. Sie ist dort auf einem auf 1000 m Höhe gelegenen Bauernhof aufgewachsen. Während des 1. Lockdowns verließ sie Paris, und unterrichtete ihre Griechisch- und Lateinschüler in Paris online. Marie-Hélène Lafon ist Lehrerin und Schriftstellerin. Der Prix Renaudot, den sie im November 2021 für ihren jüngsten Roman Geschichte des Sohnes erhielt, erlaubt ihr nun, das Stundenpensum am Gymnasium zu reduzieren. Ihre Bücher werden nach der Auszeichnung in mehrere Sprachen übersetzt, Einladungen folgen.

In ihrer Literatur ruft Marie-Hélène Lafon die Abgeschiedenheit der Höfe und Dörfer, die ausgemergelte Höhenlandschaft und die weiten Felder der Auvergne wach, das karge Leben der Bauern, die verarmen und so schweigsam wie Schnecken sind. Unbegabt fürs Glück, „vertrocknen sie von innen“. Manche Landwirte werden gewalttätig – im Verborgenen. In Marie-Hélène Lafons Romanen gibt es dunkle Geheimnisse und nicht selten agieren Frauen als stille Komplizinnen der unglücklichen, oft unverheiratet und ohne Erben bleibenden Kinder. Die letzten Indianer, diesen Buchtitel wählte Marie-Hélène Lafon für einen Roman, in dem Bruder und Schwester zuschauen, wie die benachbarte, kinderreiche Handwerkerfamilie darauf lauert, ihren Hof als Pacht zu erwerben, später zu kaufen und daraus Ferienunterkünfte zu machen. Der Tourismus ist keine unrealistische Perspektive für die um das wirtschaftliche Überleben kämpfende Bauernschaft.

Im Deutschlandfunk Kultur habe ich ein Feature über die Darstellung des Landlebens in der französischen Literatur veröffentlicht.

Im Juli 2022 hat Marie-Hélène Lafon – auf Einladung von Ulrike Schneider, Professorin am Institut für Romanische Philologie – in der Freien Universität Berlin aus Geschichte des Sohnes gelesen. Ich hatte das Vergnügen, der Autorin ein paar Fragen zu stellen.

Der Schweizer Rotpunktverlag hat bislang zwei Romane von Marie-Hélène Lafon von Andrea Spingler ins Deutsche übersetzen lassen: Geschichte des Sohnes (2022) und Die Annonce (2020)

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